Was ist die PPWR?
Die Packaging and Packaging Waste Regulation (PPWR) ist die neue EU-Verordnung für Verpackungen und Verpackungsabfälle.
Sie schafft europaweit einheitliche Anforderungen für Verpackungen und verfolgt das Ziel, Verpackungsabfälle zu reduzieren, die Recyclingfähigkeit von Verpackungen zu verbessern und die Kreislaufwirtschaft zu fördern.
Die Verordnung betrifft nahezu alle Verpackungen, die in der Europäischen Union in Verkehr gebracht werden, darunter Verkaufs-, Versand-, Transport- und Industrieverpackungen. Nach ihrem Inkrafttreten am 11. Februar 2025 gelten die Vorgaben seit dem 12. August 2026 schrittweise in den Mitgliedstaaten. Weitere Anforderungen werden in den kommenden Jahren eingeführt.
Warum ist die PPWR für Unternehmen wichtig?
Die PPWR betrifft Verpackungsentscheidungen entlang der gesamten Lieferkette. Unternehmen sollten frühzeitig prüfen, welche Verpackungen künftig die Anforderungen erfüllen und welche Potenziale für Mehrweg- und Kreislauflösungen bestehen.
Eine frühzeitige Umsetzung bietet zahlreiche Vorteile:
Weniger Verpackungsabfall
Geringere Kosten je Umlauf
Stabilere Verpackungsprozesse
Besserer Produktschutz
Höhere Transparenz bei Behälterbeständen
Stärkere ESG-Positionierung
Geringere Abhängigkeit von Einwegmaterialien
Die Artikel 5 bis 13 der PPWR im Überblick
Die Artikel 5 bis 13 definieren zentrale Nachhaltigkeitsanforderungen an Verpackungen.
| Artikel | Inhalt |
|---|---|
| Artikel 5: Inhaltsstoffe | Problematische Stoffe in Verpackungen reduzieren oder vermeiden |
| Artikel 6: Recyclingfähigkeit | Verpackungen so entwickeln, dass sie gut recycelt werden können |
| Artikel 7: Rezyklateinsatz | Mehr recyceltes Material in Verpackungen verwenden |
| Artikel 8: Biobasierte Rohstoffe | Nachhaltige Alternativen zu fossilen Rohstoffen prüfen |
| Artikel 9: Kompostierbarkeit | Kompostierbare Verpackungen nur dort einsetzen, wo sie sinnvoll sind |
| Artikel 10: Verpackungsreduktion | Verpackungen kleiner, leichter und materialeffizienter gestalten |
| Artikel 11: Mehrweg | Verpackungen häufiger wiederverwenden statt entsorgen |
| Artikel 12 & 13: Kennzeichnung | Verpackungen klar kennzeichnen und Informationen bereitstellen. |
Was müssen Unternehmen konkret für die PPWR tun?
Welche Anforderungen für ein Unternehmen gelten, hängt von seiner Rolle innerhalb der PPWR sowie von den eingesetzten Verpackungen und Vertriebswegen ab.
Unternehmen sollten insbesondere:
- Ihre Rolle in der Lieferkette bestimmen: Prüfen Sie, ob Sie im Sinne der PPWR beispielsweise Erzeuger, Hersteller, Importeur, Vertreiber oder Lieferant sind. Davon hängen die jeweiligen Pflichten ab.
- Verpackungsportfolio erfassen: Dokumentieren Sie, welche Verkaufs-, Um-, Transport- und E-Commerce-Verpackungen Sie einsetzen, aus welchen Materialien diese bestehen und in welchen Mengen sie verwendet werden.
- Mehrwegpotenziale identifizieren: Prüfen Sie insbesondere Transportverpackungen wie Paletten, Behälter, Kisten, Trays oder Kunststoffboxen darauf, ob Einweglösungen durch Mehrweglösungen ersetzt werden können.
- Innerbetriebliche und verbundene Warenströme vorbereiten: Ab dem 1. Januar 2030 müssen die von der PPWR erfassten Transportverpackungen bei Transporten zwischen eigenen Standorten sowie zwischen verbundenen bzw. Partnerunternehmen innerhalb der EU wiederverwendbar und Bestandteil eines Wiederverwendungssystems sein.
- Weitere Transportverpackungen auf die Mehrwegquote vorbereiten: Für bestimmte Transportverpackungen innerhalb der EU gilt ab 1. Januar 2030 grundsätzlich eine Mehrwegquote von mindestens 40 %.
- Konformität der Verpackungen sicherstellen: Wer nach PPWR als Erzeuger einer Verpackung gilt, muss die einschlägigen Anforderungen an die Verpackung prüfen, die technische Dokumentation erstellen bzw. vorhalten und eine EU-Konformitätserklärung ausstellen.
- Kennzeichnungs- und Informationspflichten einplanen: Die PPWR führt schrittweise harmonisierte Kennzeichnungen und weitere Informationsanforderungen ein. Unternehmen sollten ihre Verpackungsdaten und Prozesse frühzeitig darauf vorbereiten.
- Mehrwegsysteme organisatorisch absichern: Rückführung, Umlauf, Reinigung bzw. Prüfung und Wiederbereitstellung von Mehrwegverpackungen sollten organisatorisch und wo sinnvoll digital gesteuert werden.
Tipp: Wer heute bereits Waren regelmäßig zwischen Werken, Lieferanten und Kunden bewegt, sollte die Zeit bis 2030 nutzen, um geeignete Mehrwegkreisläufe aufzubauen und bestehende Einwegverpackungen schrittweise zu ersetzen.
Hersteller und Erzeuger nach PPWR: Rollen und Pflichten klar unterscheiden
Die PPWR unterscheidet zwischen Hersteller und Erzeuger, wobei die deutsche Übersetzung leicht zu Verwechslungen führen kann. Der Hersteller, englisch „Producer“, ist grundsätzlich der Wirtschaftsakteur, dem die Pflichten der erweiterten Herstellerverantwortung zugeordnet werden. Welche Person konkret als Hersteller gilt, hängt unter anderem von Verpackungsart, Lieferkette und dem Mitgliedstaat ab, in dem die Verpackung erstmals bereitgestellt wird. Der Erzeuger, englisch „Manufacturer“, ist dagegen insbesondere für die Konformität der Verpackung verantwortlich. Dazu gehören beispielsweise das Konformitätsbewertungsverfahren, die technische Dokumentation, die EU Konformitätserklärung und vorgeschriebene Kennzeichnungen. Unternehmen sollten ihre jeweilige Rolle deshalb anhand der Definitionen in Art. 3 PPWR sorgfältig prüfen.
Verpackungen PPWR-konform gestalten
Die PPWR betrachtet nicht nur einzelne Verpackungen, sondern ganze Verpackungssysteme. Entscheidend sind Wiederverwendbarkeit, Recyclingfähigkeit und geschlossene Materialkreisläufe.

Wichtige Voraussetzungen um die PPWR zu erfüllen:
- Funktionierende Rückführungsprozesse
- Transparente Behälterbestände
- Tracking und Nachverfolgbarkeit
- Recyclinggerechtes Verpackungsdesign
- Rücknahme und Verwertung am Lebensende
Design for Recycling sollte bereits bei der Entwicklung von Verpackungen berücksichtigt werden. Ziel ist es, Materialien möglichst lange im Kreislauf zu halten und eine hochwertige Verwertung zu ermöglichen.
Eine Studie des Fraunhofer Instituts zeigt das Potenzial von Mehrwegbehältern für eine ressourceneffiziente Kreislaufführung. Bei Mehrwegboxen aus Kunststoff benötigt die Reinigung pro Nutzung deutlich weniger Endenergie und Frischwasser als das Recycling vergleichbarer Einwegboxen aus Papier, Pappe oder Karton. Selbst bei stark verschmutzten Mehrwegkisten liegt der Bedarf bei weniger als einem Fünftel. Bei leicht verschmutzten Boxen beträgt der Energiebedarf nur etwa ein Zwanzigstel und der Frischwasserbedarf rund ein Fünfundzwanzigstel des Vergleichswerts. 1
1 Fraunhofer UMSICHT (2025): Reuse vs. Recycle – Vergleich von Energie- und Wasserverbrauch und Zirkularität bei der Kreislaufführung von Einweg- und Mehrwegverpackungen
Wann lohnt sich ein Mehrwegbehälter?
Mehrweg bietet vor allem Vorteile bei wiederkehrenden Transporten und planbaren Rückführungen.
- Regelmäßig zwischen denselben Standorten transportiert wird
- Hohe Verpackungsmengen anfallen
- Rücktransporte organisiert werden können
- Ein hoher Produktschutz erforderlich ist
- Verpackungskosten langfristig reduziert werden sollen
Eine pauschale Aussage ist nicht möglich. Die Umweltwirkung hängt unter anderem von Umlaufzahl, Transportentfernung, Rücklaufquote und Auslastung ab. Deshalb sollte jede Anwendung individuell bewertet werden.
Mehrwegbehälter aus Kunststoff oder Karton?

- langlebig und mehrfach nutzbar
- hoher Produktschutz
- digital nachverfolgbar
- wirtschaftlich bei hoher Umlaufzahl

- geringe Anschaffungskosten
- gut für Einweganwendungen geeignet
- recyclingfähig über bestehende Papierkreisläufe
Der Weg zur PPWR-Konformität
Die Umstellung von Einweg auf Mehrweg erfolgt in vier Schritten:
- Analyse: Bewertung von Verpackungen, Transportwegen, Rückführungsprozessen und Kosten.
- Wirtschaftlichkeit: Ermittlung von Behälterbedarf, Umlaufzahlen, Kosten je Umlauf und Amortisationszeit.
- Systementwicklung: Auswahl geeigneter Behälter, Produktschutzlösungen und Rückführungsprozesse.
- Steuerung: Digitale Lösungen unterstützen die transparente Verwaltung von Behälterbeständen und Umläufen.

PPWR-Lösungen von BITO-Lagertechnik aus einer Hand
BITO-Lagertechnik unterstützt Unternehmen bei der Umsetzung der PPWR mit langlebigen Mehrwegverpackungen und Produktschutzlösungen für nachhaltige Logistikprozesse.
Mehrwegbehälter und Produktschutz für nachhaltige Logistikprozesse







Digitales Behältermanagement mit IOB
Digitale Track-and-Trace-Lösungen schaffen Transparenz über Behälterbestände, Umläufe und Bewegungen. Dadurch lassen sich Verluste reduzieren, Rückführungsprozesse optimieren und Behälterpools effizient steuern.
Rücknahme alter BITO-Behälter
Auch langlebige Mehrwegbehälter erreichen irgendwann das Ende ihrer Nutzungsdauer. BITO-Lagertechnik kann ausgediente BITO-Behälter zurücknehmen und dem Recycling zuführen.
Das gewonnene Material wird aufbereitet und kann erneut für die Herstellung von Kunststoffprodukten eingesetzt werden. So bleiben wertvolle Rohstoffe möglichst lange im Kreislauf.
Häufig gestellte Fragen zur PPWR
Gilt die PPWR auch für Transportverpackungen?
Ja. Die PPWR erfasst grundsätzlich auch Transportverpackungen und industrielle Verpackungen. Je nach Verpackungsart, Transportweg und Nutzung können unterschiedliche Anforderungen und Mehrwegziele gelten.
Sind Kunststoffverpackungen künftig verboten?
Nein. Die PPWR verbietet Kunststoffverpackungen nicht generell. Sie stellt jedoch höhere Anforderungen an Materialeinsatz, Recyclingfähigkeit, Rezyklatanteile und Wiederverwendung.
Müssen alle Kunststoffverpackungen 35 Prozent Rezyklat enthalten?
Nein. Die Höhe des erforderlichen Rezyklatanteils hängt von der jeweiligen Verpackungskategorie ab. Der Wert von 35 Prozent gilt ab 2030 für bestimmte sonstige Kunststoffverpackungen. Für andere Kategorien gelten abweichende Werte.
Ist Karton immer nachhaltiger als Kunststoff?
Nein. Die Umweltwirkung hängt vom konkreten Einsatz ab. Bei Einweganwendungen kann Karton sinnvoll sein. In wiederkehrenden Logistikkreisläufen können langlebige Kunststoffbehälter durch zahlreiche Umläufe Materialverbrauch und Abfall deutlich reduzieren.
Wann lohnt sich der Wechsel auf Mehrweg?
Mehrweg lohnt sich häufig bei regelmäßigen Transporten, planbaren Rückführungen und hohen Verpackungsmengen. Eine individuelle Analyse zeigt, nach wie vielen Umläufen sich die Investition amortisiert.
Unterstützt BITO-Lagertechnik bei der Wirtschaftlichkeitsberechnung?
Ja. Wir analysieren Ihre Verpackungsprozesse und betrachten Anschaffungskosten, Umlaufzahlen, Einwegverbrauch, Rückführung und mögliche Einsparungen. Daraus kann eine individuelle ROI-Bewertung entstehen.
Können BITO-Behälter digital nachverfolgt werden?
Je nach Lösung können Behälter gekennzeichnet und über Track and Trace Funktionen in digitale Prozesse eingebunden werden. Dadurch lassen sich Bestände, Bewegungen und Umlaufzeiten transparenter organisieren.
Nimmt BITO-Lagertechnik alte Behälter zurück?
Ja, BITO nimmt Ihre alten Behälter zurück. Die Behälter werden fachgerecht verwertet und das Material kann erneut dem Produktionskreislauf zugeführt werden.
Was sollten Unternehmen jetzt tun?
Unternehmen sollten ihre bestehenden Verpackungsarten erfassen, Einwegverbräuche analysieren und geeignete Mehrweganwendungen identifizieren. Besonders relevant sind Anwendungen mit hohen Stückzahlen, regelmäßigen Transportwegen und planbaren Rückläufen.